Ein kurzer Überblick über die Geschichte der Theoretischen Physik in Göttingen |
|
![]() |
| Woldemar Voigt |
![]() |
| Max Born (ca. 1925) |
![]() |
| Werner Heisenberg (ca. 1926) |
Es war Werner Heisenberg, der aus dem beobachteten Energiespektrum der Atome einen mathematischen Formalismus herausdestillierte, der es erlaubte, beobachtbare Größen wie Frequenz, Intensität und Polarisation der Strahlung ohne Rückgriff auf ein Modell zu berechnen. Born sah die zugrundeliegende mathematische Struktur (Matrizen, Operatoren); er und seine jungen Mitarbeiter Heisenberg und Pascual Jordan formten sie zusammen mit ihm zur Matrizenmechanik aus. 1926 entwickelte Schrödinger die sog. Wellenmechanik, die Materiewellen im Sinne von de Broglie beschreiben sollte.
Born zeigte dagegen, dass die Wellenfunktion Schrödingers mit einer Wahrscheinlichkeitsinterpretation verknüpft ist, welche die Aufenthaltswahrscheinlichkeit für den Ort des Teilchens angibt. Borns Wahrscheinlichkeitsdeutung und Heisenbergs Unschärferelation haben unser Verständnis der Natur in revolutionärer Weise verändert.
Sowohl Max Born als auch Werner Heisenberg erhielten später den Nobelpreis (1954 bzw. 1932).
| Wellenmechanische Bilder der Wasserstoffatoms
in vier verschiedenen Anregungszuständen: Die Helligkeit ist ein Maß für die Warscheinlichkeitsdichte, ein Elektron an diesem Ort anzutreffen. |
![]() |
![]() |
| Maria Göppert-Mayer |
![]() |
| Max Reich, Max Born, James Frank, Robert Pohl |
Als Folge der Diskussionen um den "Bildungsnotstand" in der Bundesrepublik konnten sich die Universitäten erweitern. Für die theoretische Physik in Göttingen brachten die 60er Jahre nach dem Hundschen Motto "klein aber fein" eine bescheidene personelle Vergrößerung des Instituts von einem ordentlichen (F. Hund) und einem außerordentlichen Professor (H. Steinwedel) auf drei (ordentliche) Professorenstellen sowie deren Ausstattung mit wissenschaftlichen Assistenten. Sie wurden durch den von Laue-Schüler Max Kohler, der auf den Gebieten der Transporttheorie und alternativen Gravitationstheorie arbeitete und die späteren Träger der Max-Planck Medaille, der höchsten Auszeichnung der DeutschenPhysikalischen Gesellschaft, Gerhard Lüders und Hans-Jürgen Borchers besetzt. Neben der Physik der kondensierten Materie und, vorübergehend, der Kernphysik trat nun die Quantenfeldtheorie als ein weiteres Hauptarbeitsgebiet hervor. Mit dem Pauli-Lüders- (TCP-) Theorem und den sog. Borchers-Klassen der axiomatischen Quantenfeldtheorie sind wichtige Höhepunkte dieses Gebietes benannt. Auf diesem Feld kam Anfang der 70er Jahre eine weiterer Professor hinzu (H. Reeh).
Kennzeichen der 70er und 80er Jahre waren große Studentenzahlen ("Überlast"), eine nochmalige Erweiterung des Lehrkörpers auf bis zu 8 Professoren und die Umgestaltung des Instituts in ein "department" mit rotierender Besetzung des Geschäftsführers. Damit verbunden war eine Verbreiterung der wissenschaftlichen Arbeitsgebiete, die auch von den 2-3 regelmäßig am Institut tätigen Privatdozenten getragen wurde (Vgl. die homepage des Instituts). In den neunziger Jahren erfolgte dann wegen der Finanzlage des Landes durch den Fachbereich Physik ein "Rückbau" durch Streichung zweier Professorenstellen am Institut.